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ZUM 30. JAHRESTAG TSCHORNOBYLS
Veröffentlicht am 26 April 2016 Jahr 19:39

Vor 30 Jahren explodierte Tschornobyl. Erneut musste die Ukraine für die Sünden der Sowjetunion zahlen. Für seine Verachtung des menschlichen Lebens. Für seine Weltherrschaftswahn.  Für seine „Wir werden euch überholen und begraben“ gegenüber dem Westen. 

Der russische orthodoxe Patriarch Kirill, bekannt für seine Bescheidenheit und Heiligkeit, sprach neulich über Tschornobyl als eine Strafe Gottes. Zu schade, er definierte  nicht – Strafe wofür? Mir scheint, falls es in der Tat eine Strafe war – dann war es eine Strafe für die Hochmut. Nicht die Hochmut der Menschen, sondern die Hochmut des Staates, den die Menschen als ihren sahen. Den sie liebten. Auf den sie sich verließen. Und der dieser Menschen nicht würdig war. Denn als das Unheil kam, ließ er die Menschen im Stich. Er ließ sie in einer radioaktiven Hölle zu einer Demostration anläßlich des 1. Mais gehen. 

In diesem Sinne war Tschornobyl der Moment der Wahrheit. Denn er zeigte: diese Menschen und dieser Staat gehörten nicht zusammen. Es gab diejenigen, um die sich der Staat kümmerte; und es gab die Mehrheit die dem Staat schlicht wurscht war.

Ich war damals 15. Wir waren unbesorgte Teenager. Eines Tages schleppten wir aus einem Hinterzimmer einen Geiger-Zähler. Der war alt und staubig. Wir schalteten ihn an – und der fing an, so richtig zu heulen. Wir zuckten mit den Schultern und steckten ihn zurück: „altes kaputtes Ding“. Seitdem denke ich oft: war er in der Tat kaputt?

Ich denke auch an meine Altersgenossen, soviele von denen so gut dieses Wort kennen: „Schilddrüsenkrebs“. Mir kommt in Erinnerung auch ein älterer Freund von mir, ein Mann, der gerade damals in Tschornobyl zur Aufräumung geschickt wurde – einer von diesen gebeugten Figuren aus Filmchronik. Mit einer Schaufel. Mitten in der Hölle. Beinahe alle seine Kameraden sind schon weg – er aber nicht, als hätte ein Engel Gottes gerade über ihm seine Flügel ausgestreckt. Er geht durchs Leben munter, weis und selbstbewusst. Und ich kenne keinen größeren Patrioten der Ukraine als er. Wahrscheinlich weil er durch das Schlimmste ging und damals, in diesem wunderschönen und jedoch so hässlichem Frühling 1986 das wahre Gesicht des sowjetischen Reiches sah. Er will nicht zurück.

In dem schrecklichen Jahr sahen wir einen Staat, der gleichgültig, taub und grausam war. Nicht ohne Grund fiel die Sowjetunion einige Jahre später auseinander. Die Ukraine muss besser sein. Sie ist immer noch auf dem Weg zu einem Staat, der seiner Bürger würdig ist. Ich weiß nicht wie lange er in Anspruch nimmt. Jedoch eines weiß ich ganz genau: dieser Weg führt nach vorne – und nicht in die Vergangenheit, wo die Menschen unter einer radioaktiven Wolke ihre Kinder zur 1. Mai Demonstration auf Schultern tragen.

 

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