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Zum Gedenken an die Opfer des KZ Mauthausen legte die Botschaft der Ukraine Kränze nieder
Veröffentlicht am 16 Mai 2016 Jahr 11:08

Auf Einladung des Mauthausen Komitee Österreich und in Anwesenheit von Herrn Bundespräsidenten Heinz Fischer beteiligte sich Herr Botschafter Olexander Scherba an einem Zeremoniell der Kranzniederlegung auf dem Appellplatz der Gedenkstätte Mauthausen.

Zur Erinnerung an die gefallenen ukrainischen Opfer des KZ Mauthausen legte die Botschaft der Ukraine in Österreich einen Kranz zum Ukrainischen Ehrenmal nieder. Wie in den letzten zwei Jahren nahm einer der ukrainischen Überlebenden – Herr Professor Ihor Malytski aus Charkow an der Veranstaltung auch teil. Ihn begleitete Frau Svitlana Sahan und Herr Sergiy Kopytko – Enkelin und Urenkel eines anderen KZ-Häftlings.

Delegierte der Ukraine im CIM, Frau Dr. Tetiana Pastushenko vom Institut der Geschichte, hielt die Rede für die Ukraine an der Befreiungsfeier:

 

Rede von Tetiana Pastushenko

Es ist eine große Ehre für mich, anlässlich des 71. Befreiungsfeier des KZ Mauthausen hier sprechen zu dürfen. Ich bin Historikerin von Beruf und mehr als 10 Jahre erforsche ich die Geschichte dieses Konzentrationslagers und die Biografien der ukrainischen Häftlinge. Heute besuche ich die Gedenkstätte KZ Mauthausen zum ersten Mal. Dabei habe ich schon so viel über das Lager Mauthausen von den Überlebenden gehört. Leider leben die ehemaligen Häftlinge nicht mehr, die uns in den Jahren 2005-2009 berichtet haben. Und ich bin sehr aufgeregt, dass heute der Tag ist, an dem ich statt ihnen die Blumen niederlegen und mit allen Anwesenden den Opfern dieses nazistischen Konzentrationslagers gedenken werde.

Die ersten Häftlinge, österreichische Kommunisten, traten hier durch das Tor im Jahre 1938 ein, als es in Europa noch keinen Krieg gab und die meisten Politiker dachten, dass „der Anschluss Österreichs nichts Schlimmes war, nur eine unbedeutende Verletzung des internationalen Rechts, das uns nicht betrifft".

Ein paar Jahre später mussten hier Inhaftierte vieler Nationalitäten aus ganz Europa und der Welt leiden. Im Jahre 1938 schaffte es die Menschheit nicht, sich zu vereinigen und den aggressiven Plänen Hitlers zu widerstehen, als Folge zahlte sie mit den Leben von über 60 Millionen Menschen. Im Jahre 1945 wurde der Nationalsozialismus zerschlagen und in den internationalen Gerichtsprozessen verurteilt. Aber der Stalinismus blieb unbestraft. Und meine Landsleute, die Häftlinge von Mauthausen, die nach dem Krieg in die UdSSR zurückkehrten, gerieten in die anderen Konzentrationslager, in die stalinistischen.

Mychajlo Rybtschinskij, der nach der Flucht aus dem Block Nummer 20 überlebte, wurde für ein halbes Jahr in einem Sonderlager von NKWD eingesperrt und sein Leben lang unterlag einer Sonderaufsicht von Geheimdienst.

Iwan Fen wurde nach der Befreiung aus dem nazistischen KZ zur Zwangsarbeit in die Bergwerke von Donbass verbannt. Für die Flucht aus dem Bergwerk wurde er zu 8 Jahren Haft im Gulag verurteilt. Und heute hat man den Eindruck, dass die Zeit umkehrt. Schon wieder marschierten Kolonnen von Demonstranten zum 9. Mai mit Stalins Porträts in den besetzten ukrainischen Sewastopol und Donezk.

Die Kriege beginnen mit einem unwesentlichen Verstoß und Missachtung von Gesetz im Namen „des Gemeinschaftswohls", durch die Gleichgültigkeit, fehlende Solidarität und Verantwortung, mit dem Unwillen sich für das Recht und die Gerechtigkeit einzusetzen, bis es zu spät wird. Nun verfolgt man in der ganzen Welt die Tendenz, dass populistische Bewegungen und deren Führung an Kraft zulegen, während sie „einfache Lösungen" für alle Probleme vorschlagen. Sie appellieren an die Werte, die bereits existierten und mit sehr tragischen Folgen endeten: historische Gerechtigkeit steht über dem Recht, die Gemeinschaft wichtiger als Individuum, der Stärkere darf für den Schwächeren entscheiden. Folglich gerät die Welt ins Feuer des Kriegs und zahlt für die scheinbar „einfache Lösungen" mit millionenfachen Menschenopfern.

Es gibt nur einen Weg, solchem Vormarsch entgegenzustehen: ein vereinigtes Europa zu bleiben, das nicht gleichgültig zuschaut; demokratische Werte zu pflegen, den Rechtstaat, freie Medien und unabhängige Justiz sicherzustellen, die menschliche Würde zu respektieren, und - was auch vielleicht das Wichtigste ist-Solidarisch beim Schutz unserer Werte zu sein. Dieser Weg ist nicht leicht, aber ich bin überzeugt, dass wir keinen anderen haben.

Jemand mag denken, wie es schon früher mal war, dass man sich hinter eigener Grenze im eigenen Wohl verstecken kann. Dass die Not des Nachbarn an dir vorbei geht. Aber solche Strategie ist täuschend. In unserer globalen Welt ist dieses Denken sogar gefährlich. Es kommt nur so \'cr, aiä ob der Krieg Tausende Kilometer von unserem Haus entfernt ist und uns nicht betrifft. Der Krieg in der Ukraine geht weiter - aber am abgeschossenen Flieger kamen ums Leben die Kinder aus den Niederlanden, aus Malaysia und Australien. Warum wird Aleppo in Syrien bombardiert, aber Hunderttausende von Flüchtlingen lassen sich in Linz, Wien und vielen anderen europäischen Städten nieder. Warum sterben die Menschen durch die Terrorattacken im friedlichen Paris und Brüssel.

Diese Gedenkstätte an Stelle des Nazistischen Konzentrationslagers Mauthausen ist eine Mahnung für die Menschheit über den Preis der Missachtung der demokratischen Werte, über die Schrecken des Kriegs. Wir haben kein Recht, nur noch in Trauer zu sein, indem wir den Opfern gedenken.

Wir müssen handeln, damit so etwas nie wieder kommt. Nie wieder.

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