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Artikel des Botschafters der Ukraine in "WIENER ZEITUNG"
Veröffentlicht am 18 August 2016 Jahr 12:38

Zum 25. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine.

Mehr Schmerz, weniger Angst

Erneut begeht die Ukraine ihren Nationalfeiertag am 24. August vor dem Hintergrund des militärischen Säbelrasselns seitens Russlands und lauter Gespräche darüber, ob es sich lohne, jetzt die ganze Ukraine zu "erobern". Erneut steht Europa vor einer Gefahr der massiven Entflammung des Krieges. Und doch ist es nicht Angst, sondern Hoffnung, von der die Ukraine erfüllt ist. Die Hoffnung, trotz aller Widrigkeiten zu einer besseren Nation zu werden.

Ein Ruck geht durch die Ukraine. Die verschiedensten Völkergruppen finden ihre Stimme wieder, die schwierigsten Themen werden angesprochen. Die ukrainischen Frauen, etwa haben das lange verschwiegene Thema der sexuellen Gewalt innerhalb von ein paar Tagen zum Thema Nummer eins gemacht. #IchHabeKeineAngst wurde zum wichtigsten Hashtag. Tausende Frauen haben sich zu einem Thema geäußert, das bis vor kurzem tabu war.

Im Juni erlebte die Ukraine die erste "Pride Parade", deren Teilnehmer von der Polizei beschützt wurden, statt sie zu schikanieren. Was in Kiew an dem Tag passierte, erinnerte an die Menschenrechtsmärsche im Westen in den 1960er Jahren. Tausende Menschen gingen auf die Straße, um den Anspruch aller Ukrainer auf eine Existenz im Tageslicht und nicht im Schatten zu erheben.

Das bis vor kurzem tabuisierte Thema Nationalismus wird ebenfalls mutig besprochen. Genauso wie das Problem der Korruption und die Frage der Effizienz des Staatsapparates. Wichtig ist dabei: Man gibt die Schuld nicht den anderen. Nach Ursachen wird in der Ukraine gesucht.

Am 9. Juli erlebte die Ukraine ihren eigenen Willy-Brandt-Moment: Der Staatspräsident kniete in Warschau vor dem Denkmal für die von ukrainischen Nationalisten getöteten Polen. Viele Ukrainer waren dafür - und viele dagegen. Jedoch wird ohne ein Bekenntnis zu historischen Sünden die Ukraine nicht zu einer besseren Nation. Die Opfer der Vergangenheit müssen ebenfalls ihre Stimme finden.

Hoffnung für Europa?


Seit Wladimir Putins "grüne Männchen" den Krieg in die Ukraine brachten, gibt es so viel mehr Schmerz - aber paradoxerweise weniger Angst. Das Land scheint erwacht zu sein. Im Angesicht einer existenziellen Bedrohung ist kein Platz für Selbsttäuschung. Und dennoch gibt es gerade in diesen schweren inneren Debatten etwas Wichtiges für Europa: Zur ungünstigsten Zeit findet die Freiheit doch ihren Weg - wie eine Blume durch den Asphalt.

Ja, die Ukraine ist immer noch eines der ärmsten Länder des Kontinents. Ja, die Krim ist immer noch unter russischer Besatzung. Ja, im besetzten Donbass regieren immer noch Menschen, die geistig dem dunklen Mittelalter entsprungen sind. Und dennoch ist dies das Land, in dem die Hoffnung auf ein besseres Europa wiedergeboren wird. Die Ukraine kämpft verzweifelt für die westlichen Werte - wo der Westen selbst die eigenen Werte zu oft für Handel mit Diktatoren aufgibt.

Die Ukraine fand ihre Freiheit, wo andere ihre Freiheit aufgeben. Diese Freiheit wird tapfer erkämpft - in einer kleinmutigen Welt, in der das Wort "Demokratie" vom Wort "Pragmatismus" in Hintergrund gedrängt wird. Die Ukraine fand ihren Mut. Vielleicht hilft sie manchen in Europa, ebenfalls ihren Mut zu finden.

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