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Interview des Botschafters Olexander Scherba
Veröffentlicht am 14 Juni 2021 Jahr 16:04

„Wien ist ein Traum!

Botschafter Olexander Scherba outet sich als Wien-Fan, der die Schönheit der Stadt gerne fotografiert.

VON SABINE KRAMMER

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat dem Botschafter der Ukraine, Olexander Scherba, einst geraten, täglich 5.000 Schritte zu machen, um gesund zu bleiben. „Ich habe das zum Anlass genommen, oft durch die Innere Stadt zu spazieren. Dabei fotografiere ich gerne die Besonderheiten dieser für mich so lebenswerten Stadt“, so Scherba.

Rund 18.000 Fotos hat der Botschafter auf seinem Handy gesammelt, von großen Bauwerken bis zur Gedenktafel an die Ballerina Fanny Elßler mit dem „Lächeln des Jahrhunderts“. „Hier wurde alles um den Menschen herum gebaut, hier herrscht das pralle Leben“, erzählt Scherba. Während die Botschaftsresidenz in der Naaffgasse 23 in Währing zu finden ist, hat es Scherba nach Mariahilf gezogen, um hier die Wiener hautnah zu erleben: „Wien hat sich im Vergleich zu Kiew nur wenig verändert, in einem positiven Sinn. Die Tradition gibt hier Zuversicht, während in Kiew durch Veränderungen Müdigkeit entstanden ist. Trotzdem findet er auch in Wien ein Stück Kiew: „Am Naschmarkt wird kulinarisch viel ausprobiert. Das erinnert an Kiew“, so der Botschafter.

Vielfalt in der Ukraine

Das zweitgrößte Land Europas ist nur wenigen Wienern gut bekannt, obwohl seine Schwarzmeerküste jährlich viele Urlauber aus Österreich anzieht und der geografische Mittelpunkt Europas in der Ukraine liegt. Für die rund 15.000 Ukrainer in Österreich und die zahlreichen Besucher aus der Ukraine hat sich die Botschaft 2019 für ein Kulturjahr der Ukraine in Österreich eingesetzt. „Wir haben durchgesetzt, dass in den großen Museen wie der Albertina, dem Belvedere oder dem Hundertwasserhaus Audioguides in ukrainischer Sprache vorliegen“, so Scherba.

Der Botschafter ist in seiner Zeit in Österreich zum Opern-Fan geworden. „Neben der Oper bin ich mit meiner Familie oft im Prater, weil meine Tochter so gerne die Ringelspiele nutzt. Ich kenne die Karussells alle beim Namen, ob Sombrero, Lollipop oder Tagada“, lacht der Diplomat.

Scherba, der seit 2014 Botschafter in Wien ist, wird seine Traumstadt entsprechend dem diplomatischen Wechsel mit Ende Juni verlassen. Seine Zeit hier, aber auch die politischen Verstrickungen der Ukraine, hat er in einem Buch festgehalten: „Ukraine vs. Darkness: Undiplomatic Thoughts“ ist Ende April in englischer Sprache erschienen und gibt die Erfahrungen Scherbas im diplomatischen Dienst wieder. „Mein Buch ist während des Lockdowns entstanden. Da hatte ich mehr Zeit und musste nicht ständig im Prater mit dem Ringelspiel fahren“, scherzt Scherba.

(BZ- WIENER BEZIRKSZEITUNG - 16./17. JUNI 2021)

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